Adler

Schreiadler

Clanga pomarina

Von Tobias Lehmann · Aktualisiert am

Schreiadler auf einem Kiefernast
Foto: Ron Knight, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Schreiadler ist Deutschlands seltenster Brutadler und ein heimlicher Bewohner naturnaher Wälder mit feuchten Wiesen. Sein Bestand ist auf wenige Paare im Nordosten geschrumpft – er gehört zu den am stärksten geschützten Vogelarten des Landes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Größe: Flügelspannweite rund 1,45–1,65 m, kleiner als Stein- oder Seeadler.
  • Kennzeichen: einfarbig dunkelbraun, relativ kleiner Kopf, im Flug „hängende” Handschwingen.
  • Lebensraum: alte, ruhige Wälder neben feuchten, extensiv genutzten Wiesen.
  • Nahrung: Kleinsäuger, Frösche, Reptilien, Insekten.
  • Status: in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Merkmale und Erscheinungsbild

Der Schreiadler ist ein eher kleiner, gedrungener Adler mit einheitlich dunkelbraunem Gefieder und vergleichsweise kleinem Kopf. Im Segelflug hält er die Flügel leicht abgewinkelt, die Handschwingen wirken oft etwas „hängend”. Vom sehr ähnlichen Schelladler ist er im Feld nur schwer zu unterscheiden. Seinen Namen verdankt er den durchdringenden Rufen in der Brutzeit.

Lebensraum und Verbreitung

Der Schreiadler braucht ein enges Nebeneinander zweier Lebensräume: alten, störungsarmen Wald für den Horst und offene, feuchte Wiesen und Weiden zum Jagen. Sein europäisches Verbreitungsgebiet liegt vor allem in Nordost- und Osteuropa; die deutschen Brutpaare bilden den Westrand des Areals.

Nahrung und Jagd

Der Schreiadler jagt bevorzugt kleine Beute auf feuchtem, extensiv genutztem Grünland: Mäuse, Frösche, Reptilien und große Insekten. Oft läuft er dabei regelrecht zu Fuß über Wiesen oder späht aus niedrigem Suchflug. Diese Jagdweise macht ihn stark von intakten Feuchtwiesen abhängig.

Zug und Brut

Als Langstreckenzieher verlässt der Schreiadler Europa im Spätsommer und überwintert im südlichen Afrika. Der Zug führt über wenige Flaschenhälse wie den Bosporus. Im Brutgebiet legt das Weibchen meist zwei Eier, doch fast immer wächst nur ein Jungvogel auf. Diese geringe Nachwuchsrate macht den kleinen Bestand besonders empfindlich.

Bedrohungen und Schutz

Der Schreiadler leidet unter der Entwässerung und intensiven Nutzung von Feuchtwiesen, dem Verlust alter Wälder, Störungen am Horst und Gefahren auf dem langen Zugweg. Schutzmaßnahmen umfassen Horstschutzzonen, die Wiedervernässung von Wiesen, extensive Landnutzung und die Satellitentelemetrie zur Erforschung der Zugwege.

Schreiadler beobachten

Der Schreiadler ist extrem störungsempfindlich – Beobachtungen sollten nur aus großer Entfernung und außerhalb der Brutgebiete erfolgen. In den wenigen Vorkommen im Nordosten kann man mit viel Glück und einem Fernglas einen jagenden Adler über Feuchtwiesen sehen. Rücksicht hat hier absoluten Vorrang.

FAQ

Häufige Fragen: Schreiadler

Wo brütet der Schreiadler in Deutschland?

Fast ausschließlich im äußersten Nordosten – in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Mit nur noch wenigen Dutzend Paaren ist er einer der seltensten Brutvögel Deutschlands und streng geschützt.

Was frisst der Schreiadler?

Vor allem kleine Beute auf feuchten Wiesen: Mäuse und andere Kleinsäuger, Frösche, Reptilien und große Insekten. Er jagt oft zu Fuß am Boden oder aus niedrigem Suchflug.

Warum ist der Schreiadler so bedroht?

Er braucht die Kombination aus altem, ruhigem Wald zum Brüten und extensiv genutzten Feuchtwiesen zum Jagen. Entwässerung, intensive Landwirtschaft und Störungen lassen diese Lebensräume schwinden.

Zieht der Schreiadler in den Süden?

Ja, er ist ein Langstreckenzieher und überwintert im südlichen Afrika. Auf dem Zug folgt er bestimmten Routen über den Bosporus und den Nahen Osten – eine kräftezehrende Reise von vielen Tausend Kilometern.